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Start Ausgabe 1/2020 BEWEGUNG BEI KREBS

BEWEGUNG BEI KREBS

von Nicole Bichler
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KREBSPATIENTEN WURDE LANGE GERATEN, SICH KÖRPERLICH ZU SCHONEN. DOCH ZAHLREICHE KLINISCHE STUDIEN BELEGEN LÄNGST DAS GEGENTEIL: KÖRPERLICHE AKTIVITÄT WIRKT BEI MENSCHEN MIT KREBS WIE MEDIZIN – NUR OHNE NEBENWIRKUNGEN.

Die positiven Effekte von Bewegung machen sich bei Krebspatienten auf mehreren Ebenen bemerkbar: Sie hat einen direkten Einfluss auf die Entstehung von Krebs, den Verlauf der Erkrankung und die Nebenwirkungen der Behandlung, auf das Rückfallrisiko und die Wahrscheinlichkeit einer dauerhaften Heilung. Sport regt an Tatsache ist, dass Bewegung fast alle Organsysteme und das Gehirn anregt. Man nimmt an, dass sowohl die stärkere Durchblutung des gesamten Körpers als auch der größere Verbrauch von Glucose bei sportlicher Aktivität den Krebszellen das Überleben erschweren bzw. ihr Wachstum verzögern kann. „Bei Frauen mit hormonabhängig wachsendem Brustkrebs wird die Senkung des Östrogenspiegels durch Sport festgestellt – in gleicher Weise wie etwa bei einer medikamentösen antihormonellen Therapie“, so die Deutsche Krebsgesellschaft. Besonders auffällig ist, dass Sport dem Fatigue-Syndrom (Erschöpfungssyndrom) entgegenwirkt, unter dem 60 bis 80 Prozent der Krebspatienten leiden. Und nicht zu unterschätzen ist der psychische Effekt von Bewegung: Sportler fühlen sich insgesamt positiver und kräftiger, können besser mit Angst und Stress umgehen und haben weniger Schlafprobleme. Alles zusammen stärkt ihr Immunsystem.

Wie viel Sport ist gut?

Betroffenen wird empfohlen, über den gesamten Krankheits- und Behandlungszeitraum so früh wie möglich so aktiv wie möglich zu sein (Nationales Centrum für Tumorerkrankungen Heidelberg). Die Deutsche Krebshilfe legt für die Rehabilitation einen Mix aus Ausdauer und Krafttraining mit ausreichenden Erholungsphasen dreimal pro Woche für 30 bis 60 Minuten nahe – entsprechend dem individuellen Gesundheits- und Trainingszustand, den Bedürfnissen und dem Befinden des Patienten. Betroffene sollten zunächst mit ihrem Arzt besprechen, welches sportliche Pensum empfehlenswert ist.

Qualifizierte Angebote

In den über 200 onkologischen Rehabilitationskliniken in Deutschland gehört die qualifizierte Bewegungstherapie zum festen Bestandteil des Angebots. Krebspatienten, die sich beraten lassen möchten, können dies außerdem in großen Krebszentren oder bei Selbsthilfegruppen, an Krebsberatungsstellen und bei ihrer Krankenkasse tun. Auf der Website des Deutschen Behindertensportverbandes www.dbs-npc.de, Stichwort „Rehasportgruppen“, finden Interessierte zertifizierte Sportgruppen nach Krankheit und Wohnort aufgelistet.

LESETIPP


Die Deutsche Krebshilfe bietet ­eine kosten­lose Broschüre zum Thema „Bewegungstherapie und Sportangebote in der Nachsorge“ an: www.krebshilfe.de/informieren/ueber-krebs/mit-krebs-leben/

Bildnachweis (von oben nach unten):
iStockphoto/Wavebreakmedia; Deutsche Krebshilfe