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Start 4/2019 REANIMATION: LEBEN RETTEN IST EINFACH

REANIMATION: LEBEN RETTEN IST EINFACH

von Nicole Bichler
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ZUR “WOCHE DER WIEDERBELEBUNG” IM JAHR 2016 GAB DER DAMALIGE BUNDESGESUNDHEITSMINISTER HERMANN GRÖHE AM BRANDENBURGER TOR DEN STARTSCHUSS FÜR DAS “NATIONALE AKTIONSBÜNDNIS WIEDERBELEBUNG”. ES SETZT SICH DAFÜR EIN, DAS WISSEN ÜBER DIE LAIENREANIMATION ZU ERHÖHEN UND ZU ZEIGEN: JEDER KANN LEBEN RETTEN. IM ERNSTFALL GENÜGEN WENIGE SCHRITTE: PRÜFEN. RUFEN. DRÜCKEN.

Jedes Jahr erleiden etwa 50.000 Menschen in Deutschland einen Herz-Kreislauf-Stillstand, und nur zehn Prozent von ihnen überleben diesen Notfall. Oftmals sind potenzielle Helfer in der Nähe und könnten Leben retten, wenn sie wüssten, was zu tun wäre. Wir möchten Sie ermutigen, sich für den Fall der Fälle fit zu machen.

Auch bei den meisten BKK-Mitarbeitern war der letzte Erste-Hilfe-Kurs schon etwas länger her, als wir 2017 von der Rettung des damals 14-jährigen Niklas erfuhren, der während des Unterrichts an einem Augsburger Gymnasium einen Sekundenherztod erlitten hatte. Nur durch das couragierte und gekonnte Eingreifen seiner Klassenkameraden, die sofort mit der Herzmassage begannen, konnte Niklas gerettet werden.

Dieses Ereignis macht deutlich, wie wichtig es ist, Wiederbelebungsmaßnahmen zu beherrschen, und dass auch medizinische Laien zu Lebensrettern werden können. „Eine unverzüglich begonnene Herzdruckmassage verdoppelt bis verdreifacht die Überlebenschancen eines Betroffenen“, so Dr. Astrid Heyer, Sozialmedizinerin bei der BKK Akzo Nobel.„Deshalb war es mir natürlich eine besondere Herzensangelegenheit, dass sich auch die BKK-Kollegen schulen ließen und an Puppen die Reanimation sowie den richtigen Umgang mit einem Defibrillator übten. Wir möchten jeden ermutigen, die eigene Scheu zu überwinden und die Laienreanimation zu erlernen.“

Wiederbelebung in drei Schritten

Bei der Wiederbelebung durch Laien empfiehlt die Deutsche Herzstiftung drei Schritte:

1. Prüfen

Zuerst prüft man, ob die am Boden liegende Person bewusstlos ist, indem man sie anspricht – „Hallo, hallo, wie heißen Sie, was ist passiert?“ – und sie kräftig an den Schultern schüttelt. Überstrecken Sie den Kopf der bewusstlosen Person leicht, um zu hören und zu fühlen, ob sie atmet. Eine Schnappatmung und Röcheln sind typisch für die erste Phase des Herzstillstandes.

2. Rufen

Die Notruf-Nummer 112 wählen. Dabei laut und deutlich den eigenen Namen und den genauen Standort nennen. Schildern Sie kurz, was passiert ist. Beantworten Sie die Rückfragen der Notrufzentrale.

3. Drücken

Die Herzdruckmassage ist die zentrale Erstmaßnahme:

  • Rechts oder links neben die bewusstlose Person knien.
  • Den Handballen auf die Mitte des Brustkorbs setzen und die zweite Hand auf den Handrücken der ersten platzieren.
  • Mit gestreckten Armen das Brustbein tief (maximal sechs Zentimeter) und schnell (100- bis 120-mal pro Minute, also doppelt so schnell, wie der Sekundenzeiger der Uhr fortschreitet!) in Richtung Wirbelsäule drücken. Als Rhythmusgeber hilft das Lied „Stayin’ Alive”, das 1977 von den Bee Gees veröffentlicht wurde.
  • Die Herzdruckmassage ohne Unterbrechung so lange fortsetzen, bis der Rettungsdienst eintrifft und die notfallmedizinische Versorgung übernimmt. Sind zwei Helfer bei der bewusstlosen Person und ist bekannt, wo in der Nähe ein AED (Automatisierter Externer Defibrillator) ist, kann einer der beiden den AED holen, während der andere die Herzdruckmassage ohne Unterbrechung fortsetzt.

„Rufen Ersthelfer den Rettungsdienst über die 112, warten dann aber dessen Eintreffen ab, ohne in der Zwischenzeit eine Herzdruckmassage durchzuführen, bedeutet das für den Patienten nach wenigen Minuten den Tod oder schwerste bleibende Hirnschädigungen“, sagt der Notfallmediziner und Herzspezialist Prof. Dr. med. Dietrich Andresen, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. Viele Ersthelfer lähmt dem Experten zufolge im Ausnahmezustand die Komplexität, neben der Herzdruckmassage zusätzlich die Mund-zu-Mund-Beatmung anwenden zu müssen. Diese sollte daher nur von Personen durchgeführt werden, die die einzelnen Schritte sicher beherrschen.

Ein Notfallset „Was tun im Notfall?“ ist unter herzstiftung.de/herznotfallset.html erhältlich.

Der AED:
Automatisierter Externer Defibrillator

SCHULUNGEN IN DER REGION

Einen Erste-Hilfe-Kurs können Sie bei diesen Adressen belegen:

Johanniter, Unterfranken
Fon: 0800.019151516
Mail: ausbildung.unterfranken@
johanniter.de
www.johanniter-kurse.de

Bayerisches Rotes Kreuz
Fon: 06021.848421
Mail: Bildungszentrum@
kvaschaffenburg.brk.de
www.kvaschaffenburg.brk.de

Jens Schilling (u. a. Fachgesundheits- und Krankenpfleger für Anästhesie und Intensivmedizin, Rettungssanitäter und zertifizierter Projektmanager für Laienreanimationsschulungen) schulte auch die Mitarbeiter der BKK Akzo Nobel.
Fon: 02337.9490141
www.laienreanimationkannjeder.de

Die Geschäftsstellen der BKK Akzo Nobel
sind mit Defibrillatoren ausgestattet,
die während der Öffnungszeiten für jeden zugänglich sind.

Bildnachweis:
BMG/Jochen Zick, Ulrike Eberius, iStockphoto/Godruma