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Start Ausgabe1/2019 ZU VIEL GETÖSE MACHT KRANK

ZU VIEL GETÖSE MACHT KRANK

von Nicole Bichler
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„MUSIK WIRD STÖREND OFT EMPFUNDEN, WEIL SIE MIT GERÄUSCH VERBUNDEN“, DICHTETE EINST DER VATER VON „MAX UND MORITZ“, WILHELM BUSCH. HEIßT: WAS WIR ALS LÄRM UND SOMIT ALS STÖRENDES GERÄUSCH EMPFINDEN, IST HÄUFIG SUBJEKTIV. OBJEKTIV BETRACHTET ABER SCHÄDIGT UNS JEDER LÄRM AB EINER GEWISSEN LAUTSTÄRKE.

Tagtäglich sind wir vielen verschiedenen Geräuschen ausgesetzt – absolute Stille gibt es allenfalls in speziellen wissenschaftlichen ­Laboren. Wir können auch unsere Ohren nicht willentlich verschließen, wie wir das mit den Augen tun ­können – die Ohren sind immer auf Empfang. Das hat einen guten Grund, wenn wir es evolutions­bio­logisch betrachten: Als erste „Alarmanlage“ bei drohender Gefahr war bei den frühzeitlichen Menschen das Gehör im Einsatz. Näherten sich Feinde oder wilde Tiere, waren diese meist zuerst zu hören, bevor man sie sah, und vor allem während des Schlafens waren offene Ohren überlebenswichtig.

Was ist Lärm?

Das Ohr besitzt circa 15.000 Hör­zellen im Innenohr. Tiefe und hohe Töne werden vom menschlichen Gehör leiser wahrgenommen als Töne in der mittleren Frequenz. Als Frequenz bezeichnet man die Anzahl der Schwingungen pro Sekunde. Je schneller die Schwingung, desto ­höher der Ton. Geräusche misst man in Schalldruck, der Pegel dazu wird in Dezibel (dB) angegeben. Kontinuierlichen Lärm wie beispielsweise von einem Gebläse nimmt ein Mensch anders wahr als intermittierenden Lärm (z. B. Flugzeugstart, Bremsen und Anfahren von Autos oder Bahnen) oder als

Impulslärm. Das sind plötzliche, kurze und laute Geräusche wie Hupen. Doch selbst Gespräche in Zimmerlautstärke empfindet man manchmal als Lärm. Denn das Gehirn stuft Gespräche als wichtige Information ein, weshalb man beispielsweise bei unerwünschtem Dauergeplapper von Mitreisenden im Zug nur schwer „weghören“ kann. Repräsentative Umfragen des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) haben jedoch ergeben, dass der Straßenverkehrslärm mit Abstand als der größte Störfaktor empfunden wird.

LÄRMAUSWIRKUNGEN AUF DEN KÖRPER

1. Schwerhörigkeit, Tinnitus, Schwindel, Gleichgewichtsstörungen

2. Erhöhtes Herz­infarktrisiko,
schlechtere Durchblutung, Bluthochdruck

3. Verdauungsprobleme

4. Nervosität, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen, Gereiztheit, verminderte Leistungsfähigkeit, Lernstörungen

5. Atembeschwerden

6. Hormonelle Probleme ­durch
erhöhte Ausschüttung der Stresshormone
Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin

Quelle: Hörlabor der HTW Berlin

Lärm kann das Ohr schädigen

Abgesehen davon, dass wir uns durch Lärm gestört fühlen, geht er auch auf die Gesundheit. Wenn das Ohr auch nur kurzzeitig einem sehr lauten Geräusch (ab etwa 120 Dezibel) in der Nähe ausgesetzt ist, kann es zu einem akuten Hörschaden kommen, bei dem die sehr feinen Härchen (Zilien) der Hörzellen geschädigt werden. Dies kann zu Schwerhörigkeit oder Tinnitus führen. Noch gefährlicher ist dauerhafter Lärm. Ist jemand beispielsweise an seinem Arbeitsplatz über viele Jahre hinweg einem Schallpegel von 80 Dezibel ausgesetzt, kann sein Gehör dauerhaft geschädigt werden.

Mehrleistung: innovative Therapie
gegen Tinnitus.

Bildnachweis (von oben nach unten):
fotolia/Aaron Amat, /bilderzwerg